Nachtrag vom 2. September 2026: Die Beratung wurde aus Termingründen verschoben. Die drei Kommissionsmotionen (26.3012, 26.3013, 26.3519) stehen neu am Dienstag, 29. September 2026, auf der Traktandenliste des Nationalrats.

Der Nationalrat berät mehrere Vorstösse dazu, wie streng spezialisierte Spitex-Firmen reguliert werden sollen, die mit der Anstellung pflegender Angehöriger Geld verdienen. Der Bundesrat will vorderhand keine zentrale Steuerung und überlässt die Verschärfung den Kantonen; das Parlament macht Druck für strengere Regeln.

Hintergrund: Seit 2019 kann die Grundpflege durch Angehörige über die Krankenkassen abgerechnet werden, sofern die pflegende Person bei einer zugelassenen Spitex angestellt ist. Daraus sind private Anbieter entstanden — verbunden mit dem Verdacht, sie verdienten auf Kosten der Prämienzahlenden.

Einordnung We+: Die Zahlen stützen das Bild vom «Goldesel» nicht. Pflegende Angehörige erhalten rund 35 bis 38 Franken pro Stunde, die Firma rund 80 Franken von Kasse und Kanton — die Differenz deckt Ausbildung, Begleitung, Sozialleistungen und Administration, wie bei anderem Spitex-Personal auch. Eine Auswertung öffentlicher Geschäftszahlen 2024 zeigt im Median rund 2 Prozent EBIT, rund ein Drittel arbeitet defizitär; die KPMG-Studie rechtfertigt rund 77 Franken pro Stunde. Nötig sind Transparenz und faire, qualifikationsabhängige Ansätze — nicht ein Abwürgen der Versorgung.

ℹ️ Datenstand 2024. Diese Auswertung beruht auf den neuesten offiziellen Zahlen (BAG Flat File 2024). In den Medien ist von einem «Sprung» bei Pflegewegweiser die Rede (Bericht) — dafür wurden bislang keine offiziellen Zahlen publiziert. Bis solche vorliegen, ist 2024 der belastbare Stand: Pflegewegweiser (entyre/CSS) liegt bei 18,7 Mio Umsatz (Rang 27 von 1’014) und −3,1 % Marge — defizitär.

Geplant sind mehr Transparenz darüber, wer welche Leistung abrechnet, eine schärfere Abgrenzung zwischen kostenpflichtiger Grundpflege und familiärer Fürsorgepflicht, eine neue Abrechnungskategorie mit tieferen Beiträgen sowie einheitliche Qualitätskriterien und die Möglichkeit, die Zahl der Anbieter zu beschränken.

💰 Die anerkannte Vergütung sinkt unter die Kosten. Kostendeckend ist laut KPMG-Studie rund 77 Fr./Pflegestunde. Mehrere Kantone setzen die anerkannten Ansätze nun darunter. Am deutlichsten der Kanton Aargau: Er senkt die Normkosten (anerkannte Vollkosten) für Angehörigenpflege per 1. Juli 2026 von 81.50 auf 67.10 Fr./Std. — nach bereits 91.50 → 81.50 Anfang 2025, also −27 % in 18 Monaten (neu «innerhalb der Bandbreite der umliegenden Kantone»). Luzern liegt mit rund 58 Fr./Std. noch tiefer (vgl. unsere Stellungnahme zur Luzerner BPG-Revision). Auch andernorts sinkt der kantonale Restkosten-Anteil — der Teil, der zum fixen OKP-Grundpflegebeitrag von 52.60 Fr. (KLV Art. 7a) hinzukommt: Zürich 30.30 → 15.75, Bern 14.50, beide Basel 9.00. Unterm Strich rückt die Vergütung damit unter die kostendeckenden ~77 Franken. (Aargau: Medienmitteilung des Regierungsrats, 5. Juni 2026.)

Zum SRF-Beitrag · Unser Briefing an den Nationalrat

Quellen: SRF News, «Wie soll die Politik mit privaten Spitex-Firmen umgehen?» (Susanne Schmugge); SRF 4 News aktuell, «Nationalrat debattiert über Regeln privater Angehörigenpflege», 16.06.2026; Regierungsrat Aargau, «Regierungsrat nimmt weitere Senkung der Tarife für angestellte pflegende Angehörige vor», 5.6.2026; BAG, Pflegeleistungen KVG (KLV Art. 7a).