Gesetzesänderungen, Gerichtsurteile, kantonale Entwicklungen und Praxishinweise —
kuratiert von We+. Kurz zusammengefasst, mit Fokus auf das, was für betreuende Angehörige relevant ist.
Mit der ELG-Revision werden Hilfe und Betreuung zu Hause künftig schweizweit einheitlich über die Ergänzungsleistungen finanziert — mit verbindlichem Mindestkatalog (Notruf, Haushaltshilfe, Mahlzeiten, Fahr- und Begleitdienste, Wohn-Zuschläge) und Pauschalen von mindestens 11'160 Franken pro Jahr. Inkrafttreten gestaffelt ab 2027.
Die SRF-Sendung «Mona mittendrin» begleitet pflegende und betreuende Angehörige durch ihren Alltag — und zeigt, wie schon wenige Stunden Entlastung pro Woche spürbar helfen. Moderatorin Mona Vetsch ist alarmiert: Schon heute seien über 600'000 Menschen zu wenig versorgt, bis 2050 verdopple sich die Zahl der über 80-Jährigen — dem Pflegesystem drohe der Kollaps.
Der Ständerat lehnt es ab, unbezahlte Care-Arbeit in der beruflichen Vorsorge zu versichern — obwohl Frauen im Schnitt rund einen Drittel weniger Altersrente erhalten. Die SP-Motion wurde zurückgezogen; der Bundesrat soll bis Jahresende Vorschläge zur Weiterentwicklung der 2. Säule vorlegen.
Eine Mutter pflegt ihren schwer autistischen Sohn rund um die Uhr und ist bei Pflegewegweiser angestellt. Die CSS verweigert die KVG-Übernahme drei Mal — obwohl das Bundesgericht den Anspruch zweimal bestätigt hat. Zwei Motionen in der Sommersession sollen klare Vorgaben schaffen.
Der Glarner Anwalt Hardy Landolt — Erstreiter der beiden Bundesgerichtsurteile zur Angehörigenpflege — kritisiert im Tagesanzeiger-Interview die Untätigkeit des Bundeshauses. Klare Grenzen, was Angehörige gratis leisten sollen und ab wann entschädigt wird, fehlten. Sein Vorschlag: alle Sozialversicherungs-Leistungen rund um Pflege und Betreuung in einer pauschalen Versicherungsleistung zusammenfassen.
Pflegewegweiser hat seinen Umsatz binnen drei Jahren beinahe verfünfzigfacht – finanziert durch Prämien und Steuergelder. Politiker von links bis rechts fordern Verbote, strengere Kontrollen und einen eigenen Vergütungstarif für die Angehörigenpflege.
Der Nationalrat hat Motion 24.4355 (Hässig) mit 191 zu 1 Stimmen angenommen. Gefordert werden tiefere OKP-Tarife für Organisationen, die pflegende Angehörige anstellen, sowie eine separate Erfassung dieser Leistungen.
CSS und Helsana profitieren über Tochterfirmen indirekt von missbräuchlichen Abrechnungen bei Pflegewegweiser. Die CSS hat die Beteiligung nun zum Verkauf gestellt.
Die SGK-N fordert den Bundesrat auf, Spitex-Organisationen zur separaten Deklarierung von Pflegeleistungen pflegender Angehöriger zu verpflichten – als Grundlage für wirksame Kostenkontrolle.
Das Versicherungsgericht St. Gallen befasst sich mit der Berechnung des behinderungsbedingten Mehraufwands bei einer schwer hilfsbedürftigen Minderjährigen. Strittig ist, ob 4 oder 6 Stunden Betreuungsaufwand für den Intensivpflegezuschlag (Art. 42ter IVG) anerkannt werden.
An der nationalen Fachtagung von Pro Familia Schweiz herrschte Konsens: Rund 500'000 ältere Menschen werden in der Schweiz von Angehörigen betreut. Dieses Engagement ist systemrelevant – aber unzureichend unterstützt, ungenügend finanziert und gesundheitlich belastend.
Das Verwaltungsgericht Bern bestätigt im konkreten Fall die Vergütbarkeit von Angehörigenpflege. Ein klares Signal, dass Angehörigenpflege rechtlich ernst genommen werden muss.