Am 1. Oktober diskutierte das SRF-«Forum» über die Pflege durch Angehörige. Im Studio ging es um Tarife, Zuständigkeiten und Kontrollen. Die Anrufe aus dem Alltag machten jedoch sichtbar, was in einer Debatte über Kosten leicht verloren geht: Pflege ist nicht abstrakt. Sie geschieht am Bett einer Mutter, beim Verbandswechsel eines Partners, im Alltag eines Sohnes, der seit Jahren auf Hilfe angewiesen ist.

Damit Sorge nicht zur Existenzfrage wird

Regula Leuenberger pflegt ihre Mutter seit einem schweren Schicksalsschlag. Als ausgebildete Pflegefachfrau konnte sie über eine Spitex angestellt werden. Das gab ihr die Möglichkeit, ihre Mutter zu begleiten, ohne dass der reduzierte Erwerb ihre eigene Existenz gefährdet. Sie wünscht sich Begleitung und Weiterbildung – nicht, weil Angehörige ihre Aufgabe nicht ernst nehmen, sondern weil gute Pflege Halt braucht.

Ursula Kummer betreut ihren doppelt amputierten Mann. Sie erzählt von einer Spitex, die ihre Arbeit begleitet und ihr zugleich einen freien Tag ermöglicht. Für sie ist die Unterstützung nicht bloss eine Abrechnung. Sie ist die kleine Entlastung, die es möglich macht, weiter da zu sein.

Was oft unsichtbar bleibt

Gertrud Gisin pflegt ihren Sohn mit Tetraplegie seit 23 Jahren. Sie hat die nötigen Handgriffe direkt an seinem Bett gelernt. Eine Anstellung bei der lokalen Spitex erhielt sie trotzdem nicht. Ihre Geschichte erinnert daran, wie viel Wissen, Ausdauer und Liebe Angehörige über Jahre tragen – oft ohne dass diese Arbeit wirklich gesehen wird.

Vreni Eberle pflegte ihren Mann mit Demenz bis zu seinem Tod im letzten Jahr. Sie fordert nicht einfach Geld. Sie wünscht sich Anerkennung für die Arbeit, die so häufig bei Frauen liegen bleibt und bei Demenz oft weit über das hinausgeht, was sich in Minuten messen lässt.

Ihre Stimmen gehören in die Debatte

Pflegende Angehörige wollen keine Sonderbehandlung. Sie wollen, dass ihre Arbeit ernst genommen wird – und dass sie nicht zwischen Familie, Pflege und Existenzsorgen zerrieben werden.

Darum muss die Debatte bei den Menschen beginnen, die diese Verantwortung jeden Tag tragen. Regeln sollen ihnen Sicherheit geben, sie fachlich stützen und ihnen Luft zum Atmen lassen. Denn wer zu Hause pflegt, ermöglicht Nähe, Würde und ein Leben im vertrauten Umfeld.

Pflegende Angehörige sind kein Kostenblock. Sie sind Menschen, die ermöglichen, dass andere Menschen zu Hause bleiben können. Ihre Arbeit verdient Respekt, Schutz und eine faire Anerkennung.

Zur politischen Einordnung: «Ein herber Rückschlag für die Care-Arbeit».

Quelle: SRF-«Forum»: «Pflege durch Angehörige: Helfen neue Regeln gegen hohe Kosten?», 1. Oktober 2026. Die wiedergegebenen Voten pflegender Angehöriger stammen aus der Sendung.